Rundruf: Werbepreise – Fluch oder Segen?

Diesen Monat dreht sich unser Branchen-Rundruf ringsum das Thema Werbepreise. Hanno Schuster hat Kolleg:innen befragt, ob Werbepreise für sie Fluch oder Segen sind. Nachfolgend deren Einschätzung und Meinung:

Martin Platzgummer, Proxi- Hohenems

www.proxi.me

Aus meiner Sicht gibt es zwei Aspekte, die am ehesten fürs Mitmachen bei einem Designpreis sprechen: Eine Auszeichnung freut die Kunden und kann sich positiv auf die Beziehung auswirken. Zudem haben Designpreise eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung, die wiederum bei der Akquise hilfreich sein kann.

Jedoch hält sich unser Interesse bei Proxi an Designpreisen sehr in Grenzen. Wir sehen uns als Gebrauchsgrafiker und weniger als Künstler. Daher legen wir nur wenig Wert auf eine eigene Handschrift, sondern suchen für das jeweilige Projekt – gestalterisch und inhaltlich – die beste Lösung. Das setzt voraus, dass man sich selber als Gestalterin oder Gestalter nicht so wichtig nimmt. Eine Bestätigung unseres Tuns durch Preise ist für uns daher nicht wichtig.

Weitere Aspekte, warum wir solche Wettbewerbe kritisch sehen, sind die Höhe der Einreichgebühren - und im Falle einer Prämierung - die Kosten für die Veröffentlichung in der Preisdokumentation des Veranstalters. Über Jurys bei solchen Anlässen wurde schon viel gesagt. Die Qualität variiert leider stark und das spiegelt sich oftmals auch in den prämierten Projekten wider.

Karoline Mühlburger, Kaleido

www.kaleido.cc

Das Wichtigste für uns ist, dass die Kunden mit unserer Arbeit zufrieden sind, dass sie sich in dem was wir für sie tun auch wieder finden. Awards sind höchstens eine Anerkennung; mit ihnen läuft man aber sehr schnell Gefahr, sich in ständiger Bewertung zu verlaufen. Klar ist auch, dass man, um zu gewinnen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort mit einer „passenden“ Jury zusammentreffen muss. Das ist jedenfalls unsere Erfahrung. Wir haben schon für Arbeiten für die wir mit Gold ausgezeichnet wurden, bei anderen Awards nicht einmal eine Anerkennung erhalten. Der Grund, warum dieses Vergleichen so beliebt ist, liegt auf der Hand: Gewinnst du einen Preis, ist das vor allem für den Kunden wichtig. Die Auszeichnung schafft Vertrauen in die Qualität der Agentur.


Dennoch glauben wir: Award-Veranstaltungen sollte man eigentlich anders gestalten. Wir fänden es z.B. viel spannender, wenn einige Arbeiten ausgesucht würden, über die dann der Prozess von der Idee, über die Gespräche mit dem Kunden, bis hin zu den internen Diskussionen und der letztlichen Produktion, sichtbar gemacht würden. So hätten diese Treffen der Szene einen wirklichen Sinn, weil Wissen und Erfahrung sichtbar gemacht und an junge Kollegen weitergebeben wird.

Christian Feuerstein, Björn Matt, Super-Büro, Egg

www.super-bfg.com

Habt ihr schon einmal mitgemacht?

Wir haben 2007, 2013 mitgemacht und uns anschließend entschlossen es vorerst bleiben zu lassen und uns eher auf reine Gestaltungswettbewerbe zu konzentrieren. European Design Award, Joseph Binder etc.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Der AdWin ist ein Werbepreis, der wenig Augenmerk auf gute Gestaltung legt. Gewinnerprojekte sind aus gestalterischer Sicht teilweise unzureichend ausgeführt.

Was hat es euch „gebracht“?

Anfragen die nicht zu uns gepasst haben und die Einsicht, dass es für uns als Gestaltungsbüro nicht der richtige Wettbewerb ist.

Würdet ihr wieder mitmachen?

In der bestehenden Form eher nicht…

Was kritisiert ihr an Werbepreisen?

Oft überinszeniert und teilweise hohe Teilnahmegebühren.

 

Gerhard Hofer, Spiritworks, Lustenau

www.spiritworks.at

Die letzten 15 Jahre war ich über meine Tätigkeit in der Fachgruppe in die Organisation des adwin eingebunden, habe während dieser Periode aber nie aktiv eingereicht. Warum? Weil meine Arbeit nicht ins AdWin-Format passt. Ich betreue langjährige Stammkunden als PR-Berater und Coach und bin nicht offensiv auf der Suche nach Neukunden.  Dennoch verfolge ich die Szene interessiert. Die Erwartungen des Publikums an Kreativ-Events sind hoch, ja sehr, sehr hoch, beziehungsweise unrealistisch. Und doch schaffen es die engagierten AdWin-Teams über all die Jahre immer wieder, zu begeistern. Wer erinnert sich nicht gerne an die jüngste adwin Gala im Wonderland in der phantastisch gestalteten Location der Ideengärtnerei Müller in Thüringen? Viel Arbeit, viele Ideen und viel Herzblut steckte in dieser märchenhaften Szenerie und dem gesamten Abendprogramm. Getreu dem „AdWin in Wonderland“-Motto feierten 500 Kreativen eine verrückte Tee Party: mit Burlesque-Show, Magier Dekay, Sänger Sandro Luzzu, Clown Pompo und den Wonderland-Bewohnern als Walking Acts. Das war mehr als top und gleichzeitig vielleicht auch das Ende einer glanzvollen Ära. Die Zeit ist reif für neue Formate!

Sigi Ramoser, sägenvier, Dornbirn

www.saegenvier.at

Seit über 30 Jahren nehmen wir hauptsächlich an internationalen Wettbewerben teil und dürfen stolz unsere Award-Liste publizieren. Die Juryentscheidungen sind am Ende immer ein Gratmesser im Vergleich zu anderen EinreicherInnen. Trotzdem sind wir uns bewußt, daß es weltweit und in der Nähe sehr gute Arbeiten gibt, die entweder nicht eingereicht werden, oder den Maßstäben der jeweiligen Jury eben nicht entsprechen.

Neben Vorträgen und Publikationen für die Kommunikation unserer Expertise sind die diese Auszeichnungen ein wichtiges Marketingtool und ein Akquise Modell. Die hochwertigen Awards helfen uns dabei, zu interessanten Projekten auf den internationalen Märkten eingeladen zu werden. Zudem signalisieren sie unseren AuftraggeberInnen die Sicherheit verlässlicher Arbeitsqualität und führen auch für diese zu Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache. Was Awards aus meiner Sicht nicht können ist, als direkte Folge das Neukundengeschäft zu beleben (indirekt natürlich - da die Liste der Referenzen bei uns stets größer wird). Ich habe noch nie direkt eine Anfrage aufgrund eines Preises bekommen. Das Publizieren von Auszeichnungen nehmen wir selbst in die Hand. Allerdings verlangt dies auch ein entsprechendes Marketingbudget, denn mit der Auszeichnung allein ist es ja nicht getan.

Dass wir beim AdWin bis dato nicht mitgemacht hatten, hat einen einfachen Grund. Wir passen mit unseren Schwerpunkten fast gar nicht in die Kategorien des „AdWin“. Es gibt beispielsweise wenig Signaletik-Projekte in Vorarlberg, also auch keine eigene Kategorie. Das ist jedoch einer unserer großen Arbeitsbereiche. Zudem möchten wir Projekte, die bereits ausgezeichnet wurden, nicht noch einmal in einen Wettbewerb schicken.
Aus meiner Sicht ist die Konzentration auf Einzelarbeiten oder einzelne Kategorien problematisch. Aus Kundensicht hätten Auszeichnungen mehr Sinn, wenn es einen Kontext zur Gesamtkommunikation einer Kommunikationsleistung gäbe. Einzelauszeichnungen sind nur die Bestätigung einer Arbeit. Damit ist aber nicht gesagt, welche Gesamtleistung über Jahre hinweg eine Kommunikationsleistung erbringt. Genau dies brächte jedoch einen klareren Kundennutzen und hier hätten wir soviele Projekte einzureichen.

Eva Engel, agenturengel Dornbirn

www.agenturengel.eu

Ist es wichtig zu gewinnen? Ich denke, ja. So wie wir uns als Kinder über das Gewinnen im Spiel freuen oder bei einer Partie Schach den anderen gerne Matt setzen, so freut man sich natürlich auch über Anerkennung im Beruf. Solch ein Gewinn zeigt, dass man Vieles richtig gemacht hat. Auszeichnungen in Kreativberufen sind immer auch eine kleine Entschädigung für den meist großen zeitlichen Einsatz, den man erbringen muss. Am wertvollsten für mich selbst finde ich internationale Awards und Auszeichnungen – ohne dadurch die Wichtigkeit der nationalen Awards schmälern zu wollen. Ich habe noch nie eine Kampagne oder Arbeit entwickelt, nur um etwas zu gewinnen und war jedes Mal ehrlich überrascht. Auch denke ich, spielen Preise keine große Rolle bei der Neukundengewinnung. Allerdings festigt ein Preis oder eine Auszeichnung auf jeden Fall die Beziehung zum bestehenden Kunden. Schlussendlich arbeitet man als kreativer Dienstleister im Team des Kunden und diesem gebührt in Wahrheit auch die Auszeichnung. Denn ohne mutige Kunden kann man keine Preise gewinnen.